Auszeichnungen

Fotos © Jana Engel

Denkmalschutzpreis 2010 des Freistaates Thüringen

Objekt: Vierseithof in 37813 Asbach-Sickenberg

Kreis: Eichsfeld

Eigentümer: Kristina Bauer

Preiskategorie: Denkmalensemble

In unmittelbarer Nähe der ehem. innerdeutschen Grenze (Hessen-Thüringen), in landschaftlich reizvoller Lage oberhalb vom Tal der Walse, einem östlichen Werra-Zufluß, befindet sich das kleine Dörfchen Sickenberg, das nur aus einer Handvoll ehemaliger Bauernhäuser besteht.

Davon wurde 1995 die Hofanlage in der Dorfstraße 9 für denkmalwürdig erklärt und in das Denkmalbuch des Freistaates ausgenommen. Es handelt sich um eine vierseitig geschlossene Hofanlage aus dem frühen 19. Jh. Dominierend ist das stattliche Wohnhaus, ein zweistöckiger Fachwerkbau unter Krüppelwalmdach mit hofseitigem Zwerchhaus, der sich über einem in Sandsteinquadern ausgeführtes tonnengewölbtes Kellergeschoß erhebt; darin eingelassen ein Inschriftstein mit der Erbauungszeit „1806“. Die beiden Fachwerkstockwerke (Bild 2) sind in landschaftstypischer Konstruktionsweise ausgeführt, mit leicht vorkragendem Dach- und Oberstock über profilierter Rähm-Schwelle-Zone mit flachen Schiffskehlen, an den Eckständern Mannfiguren, ansonsten schlichte gewinkelte Fußstreben. Von der Hofseite aus gelangt man über eine zweiflügelige, in Sandstein ausgeführte Freitreppe in das Haus. Im Inneren haben sich die bauzeitlichen Raumstrukturen sowie wichtige Teile der wandfesten Ausstattung aus der Erbauungszeit wie Lehmwickeldecken, Fußböden und Türen erhalten. Im Oberstock wurden Reste einer stilisierten ornamentalen Wandfassung aus der Zeit um 1860/70 freigelegt. Den natursteingepflasterten Hof umschließen die komplett erhaltenen Wirtschaftsgebäude sowie ein Torhaus mit Torfahrt und Wirtschaftsboden, in Fachwerk ausgeführt, z. T. mit massivem Erdgeschoß.

Südlich der Hofanlage befindet sich das Backhaus, ein typischer kleiner Fachwerkbau aus der Zeit um 1810/20 mit dem wieder in Betrieb genommenen Ofen.

Mit der Sanierung und Wiederbelebung der Sickenberger Hofanlage hat Frau Kristina Bauer mit außergewöhnlichem Engagement und denkmalfachlichen Höchstansprüchen der Region ein kulturelles Kleinod wiedergegeben, das in authentischer Weise Zeugnis ablegt von der Wohn- und Lebensweise der ländlichen Bevölkerung des Obereichsfeldes im frühen 19. Jh.

Das Engagement von Frau Bauer für das Denkmal ist überdurchschnittlich groß zu bewerten. Der Bauzustand der seit 2000 leer stehenden Anlage war auf Grund des ausgebliebenen Bauunterhalts schlecht, aber weitgehend original überkommen.

Frau Bauer, aus dem Norden Deutschlands kommend, hat sich sehr schnell in das Anwesen verliebt und den kulturellen Wert der Gebäude erkannt. Schnell erarbeitete sie ein tragbares und nachhaltiges Nutzungskonzept, das alle Gebäude mit einbezog. Der langfristige Erhalt eines Kulturdenkmals steht und fällt mit einer angemessenen Nutzung. Dies war Frau Bauer von Anfang an bewusst. Ein Ferienhof mit landwirtschaftlicher Nutzung einschließlich eines Hofcafés war das Ziel, das sie in gut vier Jahren mit großem Erfolg umgesetzt hat.

In Konzeption und Baubegleitung waren die zuständigen Denkmalbehörden vorbildlich einbezogen worden. Der Arbeitsanteil der Bauherrin war überdurchschnittlich groß, Spezialfirmen wie Holzbau Bode, Firma Richter für den verwendeten Kalkputz oder die Dachdeckerfirma Nolle wurden hauptsächlich aus der Region hinzugezogen. Der Umgang mit der historischen Bausubstanz war äußerst behutsam, die historischen Fenster wurden allesamt aufgearbeitet, bis auf drei Neuanfertigungen. Gefache wurden mit traditionellen Lehmsteinen und Lehmputz geschlossen, die Fachwerkbalken erhielten wie zur Bauzeit einen Leinölanstrich. Das Krüppelwalmdach musste neu gedeckt werden, die nutzungsbedingten Gaupen sind wohl dimensioniert, so dass das Erscheinungsbild des Gebäudes nicht gestört wird.

Der Innenausbau mit Gästezimmern, Café und Webstube orientiert sich weitestgehend an den historischen Raumstrukturen. Alle Decken und Wände wurden mit Lehm neuverputzt, Wandheizungsrohre auf Schilfmatten verlegt und mit Lehm eingeputzt. Moderne Nutzungsanforderungen gehen hier mit historischen Gegebenheiten eine gelungene Symbiose ein. Im Oberstock ließ Frau Bauer die Wandfassung aus der Zeit um 1860/70 freilegen und durch einen Kirchenmaler als eine Art archäologisches Fenster retuschieren. Diese Maßnahme ging über die allgemeinen denkmalfachlichen Anforderungen hinaus und ist auf Frau Bauers Eigeninitiative und ihren Wunsch zurückzuführen, das Gebäude so authentisch wie möglich ihren nunmehr zahlreichen Gästen aus allen Teilen der Bundesrepublik zu präsentieren.

Gleiches galt für die landwirtschaftlichen Nebengebäude, bei deren Sanierung der Erhalt der Gebäudesubstanz im Vordergrund stand. Mit hohem finanziellem und persönlichem Aufwand wurden die großen Dachflächen z. T. repariert und größtenteils mit landschaftstypischen Dachziegeln neu gedeckt, das Fachwerk repariert. Den Abschluss in nächster Zeit wird die Ausstattung der Innenräume der Wirtschaftsgebäude sein; weitere Gästezimmer im Torhaus, Veranstaltungsräume in der Scheune, aber auch die traditionelle Unterbringung von Enten, Hühnern und Gänsen in einem der Stallgebäude.

Mit der denkmalfachlich höchst zufriedenstellenden Sanierung und Wiederbelebung der Sickenberger Hofanlage hat Frau Kristina Bauer in nur vier Jahren mit höchstem persönlichem Engagement der Kulturlandschaft Eichsfeld ein Kleinod zurückgegeben, das in kürzester Zeit eine bekannte und beliebte Adresse für Pensionsgäste aus allen Teilen Deutschlands, aber auch ein Ort der ländlichen Traditionspflege und Weiterbildung geworden ist.

Das, was Frau Kristina Bauer mit ihren vielen Helfern geschaffen hat, kann man im besten Sinne des Wortes als nachhaltig bezeichnen.

Diese Leistung wird einem Einzelpreis des diesjährigen Thüringer Denkmalschutzpreis gewürdigt.

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